Gewalt gegen 24-Stunden-Betreuerinnen: Eine versteckte Krise
Gewalt gegen 24-Stunden-Betreuerinnen in Österreich
In Österreich stellt die 24-Stunden-Betreuung einen unverzichtbaren Teil der Pflegeinfrastruktur dar. Doch hinter den Kulissen offenbart sich eine alarmierende Realität: Fast jede zweite Betreuerin ist von Gewalt betroffen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die strukturellen Probleme und mögliche Lösungsansätze, um den Schutz der Betreuerinnen zu verbessern.
Die Realität der 24-Stunden-Betreuung
Einblick in die 24-Stunden-Pflegebranche
Die 24-Stunden-Betreuung ist ein zentraler Bestandteil der Altenpflege in Österreich. Betreuerinnen, meist Frauen aus Osteuropa, wohnen bei den Pflegebedürftigen und arbeiten unter oft herausfordernden Bedingungen. Die Kombination aus langen Arbeitszeiten, emotionaler Belastung und unzureichender Unterstützung macht die Betreuerinnen anfällig für Übergriffe.
Wie häufig ist Gewalt in der Pflege?
Laut einer Studie, die in einem aktuellen Bericht des Standard zitiert wird, hat fast jede zweite Betreuerin Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Diese Gewalt kann sowohl physisch als auch psychisch sein, wobei auch sexualisierte Übergriffe und wirtschaftliche Ausbeutung vorkommen.
Die Ursachen für Gewalt in der 24-Stunden-Betreuung
Strukturelle Abhängigkeit und Machtverhältnisse
Betreuerinnen befinden sich oft in einer abhängigen Position. Sie sind auf ihre Arbeitgeber angewiesen, leben im Haushalt der Pflegebedürftigen und haben nur begrenzte Möglichkeiten, Missstände zu melden oder sich zu wehren.
Überforderung der Pflegenden und der Angehörigen
Gewalt entsteht oft durch Überforderung – sowohl bei den Pflegekräften als auch bei den betreuten Personen oder deren Angehörigen. Stress, mangelnde Unterstützung und unzureichende Kommunikationsmöglichkeiten verschärfen die Situation.
Die Formen der Gewalt
Physische Gewalt
Schläge, Stöße oder andere körperliche Übergriffe gehören zu den häufigsten Formen. Oft bleiben diese Vorfälle ungemeldet, da die Betreuerinnen Angst vor Konsequenzen haben.
Psychische und verbale Gewalt
Beschimpfungen, Demütigungen und Einschüchterungen sind ebenfalls weit verbreitet. Diese Form der Gewalt wirkt oft langfristig belastend und führt zu psychischen Erkrankungen.
Sexualisierte Übergriffe
Sexualisierte Gewalt ist ein Tabuthema, das selten öffentlich gemacht wird. Viele Betreuerinnen scheuen sich, Vorfälle zu melden, aus Angst vor Stigmatisierung oder Arbeitsplatzverlust.
Ökonomische Ausbeutung
Unfaire Arbeitsverträge, unklare Löhne oder die Nichtauszahlung von Gehältern sind ebenfalls häufige Probleme, die unter Gewalt fallen.
Die Folgen der Gewalt
Psychische Belastung und Burnout
Die ständige Angst vor Übergriffen und die Belastung durch Gewalt führen häufig zu Depressionen, Angstzuständen und Burnout.
Mangel an Vertrauen
Die Erfahrungen mit Gewalt beeinträchtigen das Vertrauen der Betreuerinnen in ihre Arbeitgeber und in das gesamte System der 24-Stunden-Betreuung.
Körperliche Verletzungen
Körperliche Übergriffe hinterlassen oft nicht nur sichtbare Verletzungen, sondern auch langfristige gesundheitliche Folgen.
Mögliche Lösungsansätze
Bessere gesetzliche Regelungen
Eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen durch klare Gesetze und deren konsequente Durchsetzung ist unerlässlich. Dazu gehört auch die Einführung von Standards für Arbeitszeiten und Pausen.
Schulungen und Sensibilisierung
Pflegekräfte, betreute Personen und deren Angehörige sollten über den Umgang miteinander geschult werden. Sensibilisierung kann helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen.
Unabhängige Anlaufstellen
Die Einrichtung unabhängiger Beratungsstellen und Hotlines kann Betreuerinnen helfen, Übergriffe anonym zu melden und Unterstützung zu erhalten.
Kontrollen und Überwachung
Regelmäßige Kontrollen durch Behörden können dazu beitragen, Missstände aufzudecken und Gewalt zu verhindern.
Gewalt gegen 24-Stunden-Betreuerinnen: Ein gesellschaftliches Problem
Gewalt in der 24-Stunden-Betreuung ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem. Es zeigt die Schwächen eines Systems, das auf Abhängigkeiten und ungleichen Machtverhältnissen basiert. Es liegt in der Verantwortung der Politik, der Gesellschaft und der Arbeitgeber, diese Missstände zu beheben und den Betreuerinnen ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten.