Der Sturz im Alter ist ein weitverbreitetes Problem, das zu Angst vor weiteren Stürzen, Verletzungen und dem Verlust der Selbständigkeit führen kann. Dabei kann man Stürzen effektiv vorbeugen!

Ein Drittel aller über 65-jährigen Menschen stürzt mindestens einmal im Jahr. Jeder zweite Hochbetagte oder Bewohner eines Altersheims fällt ebenfalls einmal pro Jahr.

Neben körperlichen Verletzungen ist besonders die Angst vor weiteren Stürzen ein großes Problem: Nimmt die Angst ein Ausmaß an, das das alltägliche Leben zunehmend beeinträchtigt, spricht man vom sogenannten „Post fall Syndrom“, das bei älteren Menschen weit verbreitet ist. 20–60% aller älteren Menschen haben Angst zu stürzen, und das unabhängig davon, ob sie schon gestürzt sind oder nicht.

Stürze kann man vorbeugen! Durch gezielte Bewegungsübungen, ärztliche Beratung und einfache Verhaltens- und Wohnraumanpassungen können die Sturz- und Verletzungszahlen deutlich reduziert werden! Dabei gilt: Je selbständiger eine Person den Alltag meistert, umso effektiver sind Präventionsmaßnahmen, die durch Bewegung (Kraft, Gleichgewicht und Selbsteinschätzung) erfolgen. Hat eine ältere Person Einschränkungen in der Alltagsbewältigung treten neben den Präventionsmaßnahmen durch Bewegung auch Wohnraumadaptionen und Hilfsmittelversorgung in den Vordergrund.

Dabei ist für alle Betroffenen wichtig: Stürze entstehen zum größten Teil durch altersbedingte und krankheitsbedingte Veränderungen des Körpers, daher ist das zielgerichtete Training sowohl vom Nutzen als auch von den Kosten effektiver als Hilfsmittelversorgung und Wohnraumanpassung.

Aus diesem Grund ist aktive Vorbeugung ein wichtiger Teil eines selbständigen Lebens mit guter Lebensqualität. Besonders Bewegung (Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining) hat neben der Reduktion von Stürzen und Verletzungen noch weitere positive Veränderungen zur Folge:

Ältere Menschen profitieren von Krafttraining sehr stark und sind ähnlich hoch trainierbar wie Jüngere. Trainierte Personen sind einem weitaus geringeren Kraftverlust ausgesetzt als Untrainierte.

Wichtig ist es vor jeder Präventionsmaßnahme die Risikofaktoren genau zu kennen. Dabei sind u.a. wichtige Risikofaktoren: Geringe Muskelkraft der Beine, Gang- und Gleichgewichtseinschränkungen, Alter über 80 Jahre, Mehrere Erkrankungen und/oder chronische Erkrankungen, Seheinschränkungen, Einnahme von mehr als 4 Medikamenten, uva.

Einige der Risikofaktoren kann man beheben, während es bei anderen Risikofaktoren wichtig ist sie zu kennen, um entsprechend Schutzfaktoren aufzubauen.

Was können Sie unmittelbar selbst tun?

Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt!

Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt das Thema Sturz und Sturzprävention. Falls Sie mehrere Medikamente nehmen (müssen), kann Ihnen Ihr Arzt wichtige Tipps geben und gegebenenfalls die Medikation anpassen.

Kommen Sie und bleiben Sie in Bewegung!

Generell bedeutet jede Form von (gut dosierter) Bewegung einen Zugewinn an Lebensqualität und körperlicher Fähigkeiten. Aus diesem Grund ist ein regelmäßig durchgeführtes Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining sehr empfehlenswert.

Um Stürze gezielt vorbeugen zu können, empfiehlt sich ein 12-wöchiges Programm zur Sturzprävention. Dabei lernen Sie neben dem entsprechenden Training für zuhause, auch die richtige Selbsteinschätzung und das Verhalten im Falle eines Sturzes.

Versuchen Sie immer nur eine Tätigkeit zugleich zu machen!

Erledigen Sie immer eine Aufgabe nach der anderen. Gleichzeitiges Kochen, Bügeln, Telefonieren usw. ist zwar zeitsparend aber höchst gefährlich, da sehr viel Aufmerksamkeit von möglichen Gefahren abgelenkt wird, und so das Sturzrisiko vor allem bei vorhandenen Risikofaktoren stark ansteigt.

Sie werden zwar mehr Zeit benötigen, um Ihre Arbeit zu verrichten, ersparen sich aber möglicherweise einige unangenehme Erlebnisse!

Ein Beispiel: Das Telefon läutet, während man beim Bügeln ist. Ohne nachzudenken hastet man zum Telefon und geht das Risiko ein über das Kabel des Bügeleisens zu stolpern.

Versuchen Sie lieber Die Tätigkeit Bügeln bewußt zu unterbrechen, analysieren Sie Ihre Position und gehen Sie ruhig zum Telefon. Erreichen Sie es nicht rechtzeitig – Was soll´s? Wenn es ein wichtiger Anruf war, wird es bald wieder klingeln. Und bei Freunden, Bekannten und Verwandten können Sie die Bitte äußern, es einfach länger läuten zu lassen.

Tragen Sie „sicheres“ Schuhwerk!

Vorne weg: Den idealen Schuh zur Sturzprävention gibt es nicht. Allerdings sollte Ihr Schuhwerk einige Kriterien erfüllen: Der Schuh sollte fest am Fuß sitzen, ohne zu drücken. Speziell die Ferse sollte einen guten Halt verspüren. Der Absatz darf leicht erhöht sein. (Vor allem dann, wenn Sie es gewohnt sind Absätze zu tragen.) Die Sohle sollte rutschhemmend sein, aber auch nicht so weich, dass Sie am Boden „festkleben“.

Beim Anziehen der Schuhe verwenden Sie, wenn nötig einen Schuhlöffel, und versuchen Sie es sich anzugewöhnen die Schuhe im Sitzen anzuziehen.

Informieren Sie sich bezüglich Hilfsmitteln!

Es gibt viele Hilfsmittel, die Ihren Alltag sicherer gestalten können. Informieren Sie sich diesbezüglich bei Ihrem orthopädischen Fachgeschäft. Hier erfahren Sie beginnend von der Greifzange für hinab gefallene Gegenstände über die stabile Leiter mit Geländer bis hin zu Sockenanzieh-Hilfen alles, was Sie den Alltag leichter und sicherer gestalten läßt. Denn es gilt zu bedenken: In sicheren Übungssituationen muß Ihr Körper gefordert werden, im Alltag sollten Sie aber jede Hilfe annehmen, die Sie eine Situation sicherer und selbständig durchführen läßt!

 

Kontaktinformationen

Institut für sportwissenschaftliche Beratung
Mag. Harald Jansenberger
Harrachstraße 22
4020 Linz

Telefon: 0650-5427253

Website: www.jansenberger.at

 

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